Ja, das kommt dabei heraus, wenn man nicht auf sein Universum hört. Aber zum Glück blieb ja der Daumen dran und er heilte auch wieder… so wie der Schnitt in meinem Herzen.
Aber der Reihe nach:
Wir begegneten uns also am 23. Mai und nachdem wir festgestellt hatten, dass aus uns beiden doch nichts wird außer vielleicht ein bisschen Spaß am Telefon, kam der Tag, an dem er fragte.
Ich war mit meiner Kollegin zusammen dabei, für den Rest der Belegschaft das gemeinsame Mittagessen vorzubereiten, wie an jedem Dienstag, als die Sprachnachricht über WhatsApp kam. Ich hatte ihr schon von meinem kleinen Abenteuer erzählt und wollte ihr dann auch seine Stimme vorspielen, war ja lustig. Nein, war es nicht. Genau 15 Tage nach unserem ersten Chat auf der Dating-Seite hatte er sich in den Kopf gesetzt, bei mir einzuziehen.
Er hatte mich also abgeschätzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass ich eine gute Gelegenheit sei, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Schließlich konnte er mir ja alles erzählen und ich würde es ernst nehmen und ihm glauben und vertrauen.
Nun, was er dabei nicht bedacht hatte, war folgendes: Ich bin seit eh und je eine sehr gute Zuhörerin. Dabei bewerte ich das nicht mit einem Blick aus meinen Augen, sondern stimme mich auf das Gegenüber ein und sehe und reflektierte es aus seinen Augen. Dabei ist es mir egal, wie groß der Wahrheitsgehalt ist, da es sich ja für denjenigen in jedem Fall wahr anfühlt. Ich lass’ mir dann seine Welt erklären, das hat mit mir und mit meiner Welt noch nicht so sehr viel zu tun, außer ich werde nach einem Rat gefragt.
Er sagte also, dass ich jetzt stark sein müsse und er hoffe, dass ich ihm das nicht für übel nehme, aber ich bin die Frau seines Herzens und es wäre doch eine gute Gelegenheit, wenn seine Eltern am 19. Juni in den Urlaub führen, dass er dann nicht nur zu einem Treffen mit mir nach Schwerin kommen könne, sondern auch schon den ersten Schwung seiner Sachen mitbringen könne, damit wir zusammen leben würden.
OBACHT! Jaha! Wenn ich es jetzt hier nur so schreibe, dann denke ich auch: „Sach ma, Mäuschen…!“ Und ich war für den Moment auch schockiert. Aber egal in welchem Alter man ist, DAS ist zu schnell! Viel zu schnell!
Ich hatte mir also etwas Zeit erbeten, um darüber nachzudenken. Dann wollte ich für das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen das Brot schneiden und hab mir in den Daumen geschnitten. Hei, was hat das geblutet. Meine Kollegin machte mir gleich einen Druckverband.
Mein Universum wurde also eindringlicher mit seinen Mitteilungen. Ein anderer Teil von mir wollte aber wissen, wie diese lustige Story wohl ausgehen würde. Ein Teufelskreis!
Das Gute ist, das Universum nimmt es uns nicht lange übel, wenn wir nicht auf die Hinweise hören, es bleibt an unserer Seite und sendet neue Hinweise, solange, bis wir es gerafft haben. Bei mir dauerte es noch eine Weile.









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