Erinnerungen an den Weltenbaum
1
Ich ging in meinem Buchenhain,
Rufend, suchend,
Bin ich allein?
Da! Seh ich nicht dort dein Gesicht,
Deinen Leib, verwachsend, fluchend?
Bist Du, oder bist du es nicht?
2
Verwurzelt steh ich im Buchenhain,
Bangend, fragend,
Geflüster ganz fein…
Bäume so dicht, Efeu und Schatten,
Lautlos klagend:
„Fühlst du es nicht?
Es ist alles und nichts-
Was wir je hatten!
Yggdrasil!“
3
Ich renne jetzt- durch den Buchenhain!
Flehend, verletzend
Und unmenschlich klein.
„Du hast diesen einen Funken, unstillbares Brennen,
Haut und Seele benetzend!“
Ich fühle es zaghaft, doch weiß ich es nicht—
Wo bist du? Wer bin ich?
4
Meine Lehrer sind stumm, sie sind Buchenhain-
Friedvoll, sinnlich und weise.
Schicken mich und meinen Funken heim;
Unendlich sicher, sehr leise…
Meine Gedanken
Beim Schreiben von „Yggdrasil – Erinnerungen an den Weltenbaum“ habe ich versucht, eine Brücke zwischen nordischer Mythologie, persönlicher Suche und der stillen Weisheit der Natur zu schlagen. Der Buchenhain, der sich durch das gesamte Gedicht zieht, ist für mich mehr als nur ein Ort – er ist ein lebendiger Raum, ein Spiegel meiner inneren Welt, ein Ort des Übergangs und der Begegnung mit etwas Größerem.
Die erste Strophe entstand aus diesem Gefühl des Suchens, das uns alle irgendwann heimsucht. Ich stellte mir vor, wie ich durch den Hain gehe, rufend, fragend, ob ich wirklich allein bin. Die Bäume – stumm, doch voller Leben – wurden zu einer Art Echo meiner eigenen Zweifel. Das Bild des verwachsenen Gesichts, das sich zeigt und doch nicht greifbar ist, spiegelt die Unsicherheit wider, ob man das, wonach man sucht, überhaupt erkennen würde, wenn es vor einem steht.
In der zweiten Strophe wollte ich die fast magische Atmosphäre des Waldes einfangen.
Die Bäume und das Efeu flüstern hier, sie klagen leise, und ich fragte mich: Was, wenn sie tatsächlich etwas zu sagen hätten? Der Ruf „Yggdrasil!“ ist dabei ein Schrei nach Verbindung – zu den Welten, zu anderen, zu mir selbst. Es ist diese Ahnung, dass alles miteinander verwoben ist, was mich in diesem Moment faszinierte.
Die dritte Strophe ist für mich die emotionalste. Hier kommt Bewegung ins Spiel, das Rennen durch den Hain, getrieben von einem Funken, einem inneren Feuer, das ich nicht ganz begreifen konnte. Dieser Funke steht für mich für die Seele, für das, was uns antreibt, was uns lebendig macht – und er ist zugleich beängstigend und wunderschön. Die Frage „Wer bin ich?“ ist für mich zentral, weil sie so oft unbeantwortet bleibt, und doch ist sie der Kern jeder Suche.
Die vierte Strophe schließlich ist meine Versöhnung mit der Natur. Die Buchen werden zu Lehrern, die mir zeigen, dass ich all das, was ich suche, bereits in mir trage. Es ist ein leises, friedvolles Ende, das mir beim Schreiben Trost geschenkt hat – und hoffentlich auch den Lesern.
Dieses Gedicht ist für mich eine Reise – durch den Wald, durch die Mythologie, aber vor allem zu mir selbst. Es ist ein Versuch, die Verbindung zu spüren, die uns alle miteinander und mit der Welt verbindet. Vielleicht findet sich der ein oder andere Leser in diesem Hain wieder – suchend, fragend, und am Ende ein wenig mehr bei sich selbst angekommen. 🥰








Neueste Kommentare