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Die Welt atmet mit – Worldbuilding, das unter die Haut geht

  1. Himmel, Hölle oder Callcenter
  2. Die Welt atmet mit – Worldbuilding, das unter die Haut geht
  3. Noch mehr Wege, deine Welt zu zünden
  4. Inspirationen – 23.08.2017
  5. Inspiration B.2 vom 23.8.2017
  6. Angst als Quelle der Inspiration

Worldbuilding, Weltengestaltung. Wie soll die Welt aussehen?

Stell dir vor, du betrittst eine Geschichte und sofort schlägt dir ihr eigener Atem entgegen – salzig, modrig, nach altem Kupfer und frischem Harz. Die Welt ist kein bloßer Hintergrund, sie ist ein lebendiges Wesen, das mitflüstert, mitfiebert, manchmal sogar zurückbeißt. Wie riecht sie anders als unsere? Welche Kreaturen schleichen durch ihre Schatten und warum haben sie genau diese Augen? Wie fühlen sich die Menschen dort an – hungriger, weicher, verträumter? Und die Landschaften: zerreißen sie einen vor Schönheit oder drücken sie einem langsam die Luft weg? Stephen King legt unsichtbare Farbfilter über seine Welten, sodass Maine plötzlich fiebrig und porös wird. Genauso ist es bei uns: Die Welt erzählt mit, heimlich, zwischen den Zeilen.

Du musst nicht alles zeigen. Nicht jede Narbe der Stadtmauern, nicht jedes Kraut am Wegesrand. Aber du musst es wissen. Die unsichtbaren Schichten unter der Oberfläche geben den paar Sätzen, die du wirklich schreibst, ihre Tiefe und ihren Klang. Erst wenn die Welt in dir atmet – riecht, richtet, lebt –, spürt der Leser sie auch. Wie baust du deine Welten? Was weißt du über sie, das niemals auf Papier kommt – und genau deshalb alles verändert? Schreib es auf. Lass sie atmen.

Warum Details alles verändern (und warum ich damals zum Bäcker musste)

Himmel, genau das ist es, was mich gerade in den Wahnsinn treibt – bei Himmel, Hölle oder Callcenter: zu wenig Details. In The Real World von Max Cunningham (nein, kein Angeben, nur Fakt) gibt’s keinen plumpen Info-Dump, keine Zurschaustellung von brav recherchierten Fakten – und genau das macht die True-Story-Arbeit so verdammt sexy. Es geht ums Verstehen. Um das Wie. Wie krieg ich eine Welt hin, die unter die Haut geht? Leeds in England zum Beispiel: raue Straßen, grauer Himmel, der Geruch von Regen auf warmem Asphalt, Pubs, in denen die Luft nach Bier und alten Geheimnissen schmeckt. Sexy, weil sie echt atmet. Aber ich leb da nicht, hatte auch nie Kohle für einen Rechercheurlaub. Das hat sich mittlerweile geändert – Gott sei Dank.

Das hab ich übrigens am 24.11.2017 geschrieben. Damals war ich so pleite, dass ich nicht mal Internet zu Hause hatte. Musste zum Bäcker laufen, um mich ins kostenlose WLAN zu hängen und weiterzuschreiben. Verzweiflung pur, und doch: genau diese rohe, echte Enge hat mir geholfen, Welten zu bauen. Weil ich wusste, wie sich Mangel anfühlt. Wie sich ein Ort anfühlt, den du dir nur erträumst. Und das ist der Trick: Die Details, die du nicht siehst, die du aber spürst – die machen die Welt lebendig. Auch ohne Flugticket. Auch ohne Geld. Nur mit dem, was in dir brodelt.

Wie machst du das? Welche Details retten deine Welten, wenn du sie nicht live besuchen kannst? Erzähl’s mir – oder schreib’s einfach auf. Manchmal muss der Bäcker reichen.

Fragen, die die Welt aufreißen – Wenn das Universum antwortet

Und dann gibt’s da noch die andere Seite: die Welt, in der ich gerade stecke, die gerade gar nicht sexy ist. Grau, eng, Rechnungen auf dem Tisch, der Kühlschrank, der mehr Echos als Essen hat. Wie soll ich da Leeds riechen, wie soll ich da die feuchten Pflastersteine spüren, die Pub-Gespräche, die nach Rauch und verpassten Chancen klingen? Die Antwort war damals schon dieselbe wie heute: Ich frag. Ich frag so lange und so genau, bis es wehtut. Nicht abstrakt, nicht „wie ist Leeds so?“, sondern: Wie fühlt sich der Wind an, wenn er um die Ecke der Briggate peitscht? Welchen Geschmack hat der erste Schluck Black Sheep Ale nach einem langen Tag? Wie knirscht der Kies unter den Schuhen vor dem Corn Exchange? Je enger, je intimer die Fragen, desto mehr schiebt das Universum mir Material zu – manchmal aus Büchern, manchmal aus YouTube-Videos um drei Uhr nachts, manchmal aus Träumen, die ich gar nicht wollte.

Das hab ich damals schon gemacht, ohne es zu wissen: Fragen als Werkzeug, um die eigene Welt aufzubrechen. Je detaillierter ich frage, desto reichhaltiger wird, was zurückkommt. Und desto echter wird, was ich schreibe. Nicht weil ich alles gesehen habe, sondern weil ich es gefühlt habe – durch die Fragen hindurch. Das Universum ist faul, aber höflich: Wenn du lang genug bohrst, spuckt es dir die Antworten vor die Füße. Manchmal sogar mit Geruch und Geräusch.

Also frag weiter. Frag brutal genau. Frag, bis die eigene graue Welt Risse kriegt und etwas anderes durchscheint. Was fragst du deine Welten gerade? Welche Details fehlen dir am meisten – und wie könntest du sie dir heute Nacht herbeifragen?

Im Nebel fahren – Worldbuilding als blinder Vertrauenssprung

Eine Geschichte schreiben ist, wie des Nachts im Nebel zu fahren. Du siehst nicht weiter als bis zu dem, was dein Scheinwerfer gerade noch erhellt – und trotzdem machst du den ganzen Trip so. Das hat E. L. Doctorow gesagt (kenn ich nicht wirklich, hab’s nur irgendwo aufgeschnappt). Und genau das fühlt sich beim Worldbuilding an wie der Kern: Du weißt nie alles im Voraus. Du fährst einfach los, mit dem bisschen Licht, das du hast, und vertraust darauf, dass die Straße sich zeigt, wenn du sie brauchst. Kurt Vonnegut (L-O-N-N-E-G-U-T, ja, den schreib ich jetzt richtig) hat gesagt: Jeder Charakter sollte in einer Szene etwas brauchen – und sei es nur ein Glas Wasser. Das ist genial einfach und brutal wahr. Weil Bedürfnis die Welt erst zum Leben erweckt. Nicht die Beschreibung der Berge, sondern der Durst, der jemanden den Berg hochtreibt.

Und so geht’s weiter mit dem Worldbuilding – praktisch, ohne Schnickschnack: Erstens lies über die Welten anderer Schriftsteller. Nicht nur die fertigen Bücher, sondern wie sie gebaut wurden. Lies Interviews, Briefe, Tagebücher, Werkstattberichte. Schau dir an, wie Tolkien seine Sprachen erfunden hat, bevor er die Geschichte schrieb. Wie Le Guin ihre Ökologie in Earthsea zuerst skizziert hat. Wie Gaiman seine London Below aus echten U-Bahn-Stationen und vergessenen Orten zusammengestückelt hat. Lies nicht, um zu kopieren – lies, um zu spüren: Die besten Welten entstehen nicht aus Enzyklopädien, sondern aus Obsessionen, aus kleinen, verrückten Details, die der Autor selbst liebt oder hasst oder fürchtet. Wenn du das liest, merkst du plötzlich: Dein eigener Nebel wird heller. Du siehst ein Stück weiter. Und der nächste Scheinwerferkegel zeigt dir vielleicht schon die nächste Kurve.

Was liest du gerade über Weltenbau? Welchen Autor hast du beim Worldbuilding erwischt, der dich umgehauen hat? Erzähl’s mir – oder fang einfach an zu lesen. Der Nebel lichtet sich nur, wenn du Gas gibst.

 

Fünf Wege ins Worldbuilding – Praktisch, chaotisch und machbar (auch ohne Geld)

Lies über die Welten anderer Schriftsteller – wie soll das gehen? Ganz einfach: Nicht nur die Romane, sondern die Hintertüren. Interviews, wo sie verraten, wie sie ihre Städte gerochen haben, bevor sie geschrieben haben. Briefe, in denen sie über ihre Obsessionen jammern. Werkstatt-Tagebücher, die zeigen, dass Tolkien erst Elbisch gelernt hat, bevor er die Hobbits loslaufen ließ. Oder wie Ursula K. Le Guin ihre Inseln erst ökologisch durchdacht hat. Das ist kein Abkupfern – das ist Spionage. Du klaust nicht die Welt, du klaust das Feuer, wie sie es entzündet haben. Und plötzlich merkst du: Deine eigene Welt braucht genau diesen einen Geruch, diese eine Regel, die niemand sieht, aber alle spüren.

Zweitens: Filme analysieren und anschauen – das mach ich gerade massiv mit Murder, She Wrote. Ja, Cabot Cove ist nicht die epische Fantasy-Welt, die ich für mein aktuelles Projekt brauche, aber der Trick funktioniert überall. Diese kleine Küstenstadt in Maine (fiktiv, gedreht in Mendocino, Kalifornien, mit viktorianischen Häusern, die nach Salz und Geheimnissen riechen) wird lebendig durch Kleinigkeiten: Jessica Fletchers weißes Haus mit der Veranda, wo sie tippt, der Sheriff mit seinem alten Jeep, der Hafen, wo die Fischerboote schaukeln, und dieser ewige Nebel, der alles ein bisschen unwirklich macht. Es ist cozy, es ist ikonisch, und trotz der absurden Mordrate fühlt es sich echt an – weil die Details stimmen. Schau genau hin: Wie beleuchtet das Licht? Welche Geräusche sind dauerhaft? Welche Farben dominieren? Das kannst du auf jede Welt übertragen. Drittens: Mix and Match. Nimm zwei Ideen aus völlig verschiedenen Ecken – ein viktorianisches London aus Dickens und eine Wüste aus Dune – schmeiß sie zusammen, verflechte sie mit deinen eigenen Fäden (deinen Ängsten, deinen Sehnsüchten, deinem Humor), und plötzlich hast du etwas Neues, das nur dir gehört. Viertens: Zeichne eine Landkarte. Da komm ich wieder an den Punkt, wo ich mir einen neuen iPad wünsche (mit Procreate und allem Drum und Dran). Aber hey, es geht auch ohne: Es gibt kostenlose Tools wie Azgaar’s Fantasy Map Generator (im Browser, unendlich tweakbar), Inkarnate (free Version reicht für den Start), Watabou oder Donjon – die spucken dir Karten aus, die du dann noch per Hand oder GIMP pimpen kannst. Fünftens: Bedenke Fauna und Flora. Was wächst hier? Was frisst wen? Welche Pflanze heilt, welche tötet? Welches Tier ist heilig, welches verflucht? Das sind die Details, die die Welt atmen lassen – und oft den Plot erst richtig antreiben.

Welchen Weg probierst du gerade aus? Hast du schon mal eine Karte mit einem dieser Gratis-Tools gebastelt? Oder bist du Team „Nur im Kopf, bis es explodiert“? Erzähl’s mir – oder fang einfach an. Der nächste Schritt ist meist der einfachste.

Lies über die Welten anderer Schriftsteller. Wie soll das gehen? Zweitens: Filme analysieren und anschauen. Das mach ich. Im Moment grade ganz arg mit Mord ist ihr Hobby, auch wenn das jetzt nicht die Welt ist, die ich für dieses Projekt brauch, aber es gilt ja auch im Allgemeinen. Drittens: Mix and Match. Nimm zwei Ideen von unterschiedlichen Orten, schmeiß sie zusammen, verflechte sie mit den eigenen Faden, um daraus etwas ganz Neues zu erschaffen. Viertens: Zeichne eine Landkarte. Da komm ich wieder an den Punkt, wo ich gern einen neuen iPad hätte. Fünftens: Bedenke, welche Fauna und Flora in deiner Welt leben.

Bedenke die Geschichte deiner Welt. Was für Menschen leben dort? Sind sie wie du und ich? Was macht sie besonders? Da fällt mir ein, dass es mir ganz arg aufgefallen ist, dass, obwohl die Niederlande so nah dran sind, der Holländer vom Charakter her, vom Typ her, von der Art zu sein ganz anders war als ich hier und als die Menschen, die ich kenne. Und genauso ist das mit den Menschen im Rheinland gewesen. Das Ding daran ist, ich als Grenzautist musste schon einmal klarkommen mit den Menschen, die hier so leben, und als ich das so mittelmäßig geschafft hab, kommen dann ganz andere Menschentypen wieder.

Und das ist manchmal schwierig für mich dann zu begreifen, aber es fällt mir auch auf, den meisten Menschen fällt ja so was gar nicht auf.

Welche Technologie hat diese Welt? Welche Regierung? Welche Kultur?

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